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Ein wenig Geschichte

Frühzeitige Besiedlung

Obwohl einem Landwirt in der Fraktion Maria-Montagna anno 1915, ohne dass er sich dessen bewusst war, ein spektakulärer Bronzefund gelang, zweifelte man noch lange an einer Besiedelung unserer Gegend in vorchristlicher Zeit. Erst Ausgrabungen in den Fünfziger- und in den Achtzigerjahren des vorigen Jahrhunderts, letztere im Zusammenhang mit der Friedhoferweiterung, brachten Erkenntnisse, die darauf hindeuten, dass Schiers schon in urgeschichtlicher Zeit dauernd besiedelt war. Der älteste Kirchenbau, ausgegraben im Pfarrhausgarten, wird ins fünfte Jahrhundert datiert.
Urkundlich erscheint Schiers erstmals im Jahre 1122 unter der Bezeichnung Assiere, eine Verdeutschung des romanischen Namens Aschera für Schiers, der heute noch im romanischsprachigen Teil des Kantons bekannt ist (Aschera = Ahorn).

Seit dem 16. Jahrhundert spricht man deutsch

Die romanische Sprache verschwand sukzessive, einmal aufgrund der Einwanderung deutschsprachiger Walser die sich auch hier in den oberen Lagen angesiedelt hatten (Stels, Schuders, Pusserein, Bazolis), und weil im Vorderprättigau auch vom Rheintal her der deutschsprachige Einfluss sich auswirkte. Zudem bedienten sich die Feudalherren und das Domkapitel Chur in ihren Urkunden und im Umgang mit den Lehensleuten fast ausnahmslos der deutschen Sprache.

Auseinandersetzungen mit Österreich

Die Geschichte der bewegtesten Jahre von Schiers fällt zusammen mit derjenigen des Zehngerichtebundes und ist gekennzeichnet durch die verbalen und kriegerischen Auseinandersetzungen mit dem Hause Habsburg. (Der Zehngerichtebund reichte vom Hochgericht Churwalden über das Albulatal, Davos, Prättigau bis in die Herrschaft Maienfeld und war indirekt zum Schutz vor Übernahmegelüsten der Habsburger ins Leben gerufen worden. Zusammen mit dem Oberen- oder Grauen Bund und dem Gotteshausbund bildete er den Freistaat der Drei Bünde als Vorgänger des Kantons Graubünden.)
Schiers verfügte eine Zeitlang nebst dem Hochgericht noch über ein Kapitelgericht, dem die Lehensleute des in unserer Gegend stark begüterten Domkapitels Chur unterstanden.
Der Kapitelammann wohnte im Kapitelhof, heute Seminargebäude der Evangelischen Mittelschule.
Die über Jahre sich hinausziehenden und viel Leid verursachenden kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Habsburgern fanden ein Ende, nachdem sich die Gerichte im Jahre 1649 mit grossen Opfern von Österreich losgekauft hatten.

Brände, Hochwasser, Hexenverfolgungen

Davon blieb unsere Gemeinde nicht verschont. Der Schrabach, dessen Einzugsgebiet einen grossen Anteil des Gemeindeareals ausmacht, und dessen Naturgewalt Generationen von Schiersern beunruhigte, ist nach menschlichem Ermessen gezähmt.
Als Pioniertat darf die Eindämmung der Landquart bezeichnet werden; denn was heute als fruchtbare Ebene zwischen Schiers und Grüsch sich darbietet, war noch zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts grösstenteils eine öde Steinwüste. Ein dunkles Kapitel in unserer Geschichte sind die unsinnigen Hexenverfolgungen, die während längerer Zeit auch im Prättigau grassierten.



Lehranstalt (heute Evangelische Mittelschule), Krankenhaus (Regionalspital) sowie Alters- und Pflegeheim und Bildungszentrum Palottis (vormals Bäuerinnenschule)

Diese Institutionen gehören insofern zusammen, als sie direkt oder indirekt mit dem Stifter Pfarrer Peter Flury zu tun haben. Im Jahre 1837 wurden die Evangelische Lehranstalt, heute Evangelische Mittelschule und im Jahre 1881 von demselben Stifter, Pfarrer Peter Flury, das Prättigauer Krankenhaus gegründet. Die Vereinigung für eine Bündnerische Heimatschule eröffnete 1950 auf Grund und Boden, der früher auch der Familie Flury gehört hatte, die Bäuerinnen- und Haushaltungsschule (heute Bildungszentrum Palottis). Die Bodmer-Abegg-Stiftung rief 1954 das Haus de Planis in Stels als Tagungs- und Bildungszentrum ins Leben. 1980 wurden das Pflegeheim und 1985 das Altersheim eröffnet.

Wirtschaftliche Entwicklung

Sie verlief alles andere als stürmisch, auch wenn das Handwerk recht früh und in erstaunlicher Mannigfaltigkeit vertreten war. Eine Buchdruckerei als Herausgeberin u.a. der Prättigauer Zeitung gibt es seit 1901 und die im Jahre 1906 gegründete Metzgerei Spiess ist im Verlauf der Jahrzehnte zu einem Grossbetrieb herangewachsen. Daneben entwickelten sich Handel und Gewerbe stetig und in erfreulichem Masse, und nach wie vor spielt die Landwirtschaft trotz struktureller Probleme eine wesentliche Rolle in unserer Gemeinde (Schiers gehört in Graubünden zu den Gemeinden mit dem grössten Viehbestand).
Nähere Angaben siehe «Schiers, Geschichte und Kulturgeschichte» von Mathias Thöny und Jakob Casal, Auflage 1995, Verlag und Verkauf: AG Buchdruckerei Schiers.